
Alles auf eine (Post-)Karte – auf eine Tasse Kaffee beim genialischen Grafiker, Verleger und Discjockey Hias Schaschko im Haidhausen des Jahres 1997.
Was sagt man, wenn man sein Leben kurz und prägnant,auf den Punkt bringen soll? Hias Schaschko zieht in solchen Fällen seine Lieblingspostkarte hervor. Und auf der steht: »Irgendwas ist immer.« Denn irgendwas ist immer.
Schaschko zum Beispiel, in Salzburg geboren und 1970 nach München ausgewandert (»War damals eine total angesagte Stadt«), sitzt gemütlich in einem. begrünten Haidhauser Hinterhof. Idyllisch (wie auf einer Postkarte eben). Aber irgendwas ist immer.
Hier trudelt ein Fax ein, da fängt ein Gerät zu sprechen an. Trotzdem, es gibt immer noch Dinge, die sehr einfach sind. »Wenn du zum Briefkasten gehst und eine Postkarte drinsteckt, das ist einfach wunderbar«, sagt Schaschko. Und manchmal bekommt der 45-jährige auch Karten geschickt, die eigentlich von ihm sind.
Hias Schaschko verlegt und gestaltet seit mehr als fünfzehn Jahren Postkarten, gerade hat er eine neue Edition herausgebracht – kunstvolle Karten und banale, komische und traurige, politische und provokative. Warum? Weil es das Spiel ist, das ihn fasziniert. Einer entwirft eine Karte. Ein anderer fühlt sich angesprochen, kauft sie, schreibt etwas drauf. Ein Dritter stempelt sie. Dann landet sie irgendwo in der Welt, jemand freut sich, und wenn es eine besonders gute Karte ist, stellt man sie auf den Nachttisch oder hängt sie ins Klo: Und nach dreißig Jahren schließlich wird sie vielleicht gesammelt. Das sei doch ein aufregendes Leben für ein Ding, das eine Mark fünfzig kostet, findet Schaschko.
Den Reiz der Postkarte hat längst auch die Werbeindustrie erkannt. Der größte bundesweite Gratiskartenanbieter, die Edgar auf der Karte Marketing GmbH in Hamburg, bringt jeden Monat mehr als vier Millionen Stück auf den Markt. Etwa die Hälfte davon sind Karten von unbekannten Künstlern, die andere Hälfte wirbt zum Beispiel für Zigaretten, Kinofilme oder Autos.
Schaschko findet einige der Edgar-Karten gar nicht mal schlecht; aber es stört ihn, dass es inzwischen »eine totale Schwemme von lieblos gemachten Karten« gibt. Dabei seien Postkarten eigentlich »kleine sexy Teile«, und das interaktive Postkartenspiel könne durchaus etwas Erotisches haben. Eine Regel aber dürfe man nicht vergessen: »Wer nix schreibt, kriegt auch nix – höchstens Rechnungen.«
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© by Monsieur Farkas, 2016
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